dann weißt du wahrscheinlich nicht, wer damals eigentlich vor dieser Tür stand. Ich war nicht einfach eine trans Frau, die ein Problem mit einem Frauenhaus hatte und dann beschlossen hat, einen offenen Brief darüber zu schreiben. Ich war vor Gewalt geflohen, hatte keinen Ort mehr, an den ich zurück konnte, war von heute auf Morgen obdachlos und hatte Angst. Ich hatte zu dieser Zeit nichts mehr, an dem ich mich noch hätte festhalten können, außer dem Gedanken, dass ich irgendwie weiter muss. Gleichzeitig habe ich meinen Schulabschluss nachgeholt während mein ganzes Leben gerade komplett auseinandergefallen ist.
Ich weiß noch ziemlich genau, wie sich das angefühlt hat, in dieser Zeit irgendwo hinzukommen und einfach nur zu hoffen, dass endlich jemand sagt komm rein, wir kümmern uns jetzt erstmal darum, dass du sicher bist. Das war eigentlich alles, was ich wollte.. Sicherheit. Keine politische Diskussion über trans Menschen oder eine Grundsatzdebatte. Ich wollte als Frau irgendwo sicher sein, und dann merkt man plötzlich, dass das bei manchen Frauen offenbar ganz selbstverständlich funktioniert und bei anderen nicht ganz.
Lesbisch? Klar. Bisexuellß Auch klar. Queer? Natürlich. Aber trans? Da wird aus „Frau“ plötzlich etwas, worüber andere diskutieren müssen. Ich kann bis heute nicht beschreiben, was das mit mir gemacht hat, ohne wieder wütend und traurig zu werden. Ich hatte damals schon genug verloren. Meine Wohnung, mein Zuhause, meine Ehe, meine Familie und mein Gefühl von Sicherheit.
Später liest man dann von Offenheit und Vielfalt und queerfreundlicher Arbeit in diesem Frauenhaus und ich denke mir ehrlich gesagt manchmal, ja schön, aber für wen denn genau?
Für welche queeren Frauen ist das alles gedacht? Für die, bei denen niemand darüber stolpert, dass sie queer sind? Denn bei mir ist man darüber gestolpert.. und das sogar ziemlich hart.
Deshalb ist dieser ganze Vorgang für mich bis heute ein Armutszeugnis für Pirmasens und eine Schande für deren Frauenhaus. Die hätten mich auf der Straße verrecken lassen und ich glaube nicht, dass sie es bei der nächsten trans Frau anders machen werden.
Jedenfalls.. Der offene Brief ist weg. Die Nacht davor, die Angst, die Demütigung und das Gefühl, als Frau nicht genug gewesen zu sein, sind es nicht. Danke nochmal an dieser Stelle.


Jessica Krämer
Autorin, Aktivistin,
Musikerin & Poetin
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